Bedeutung, DSGVO-Auswirkungen und Unterschiede zwischen US- und EU-Datenhosting
Jeder, der Cloud-Software oder Software-as-a-Service (SaaS) nutzt – und das ist im Grunde genommen die ganze Welt –, ist in Diskussionen rund um Datenschutz, DSGVO und Datensicherheit wahrscheinlich schon einmal auf den US-amerikanischen CLOUD Act gestoßen.
Doch was genau bedeutet dieses Gesetz? Hat sich in den letzten Jahren etwas verändert? Und welche Auswirkungen hat es in der Praxis auf die Auswahl zwischen US-amerikanischen und europäischen Softwareanbietern?
In diesem Artikel erhalten Sie eine klare und praxisnahe Einordnung, damit Sie die Auswirkungen auf Ihre Daten und Technologieentscheidungen besser verstehen.
Was ist der US CLOUD Act?
Der CLOUD Act (Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act) ist ein US-Gesetz aus dem Jahr 2018. Es erlaubt US-Strafverfolgungsbehörden, Daten von US-Technologieunternehmen anzufordern—selbst dann, wenn diese Daten außerhalb der Vereinigten Staaten gespeichert sind. Einfach ausgedrückt bedeutet das:
Wenn Ihre Daten von einem Unternehmen verarbeitet oder kontrolliert werden, das unter US-Jurisdiktion fällt, können US-Behörden rechtmäßig Zugriff darauf verlangen—unabhängig davon, wo sich die Daten physisch befinden. Genau hier beginnt die Komplexität rund um internationalen Datenschutz.
Was bedeutet der CLOUD Act in der Praxis?
Auch wenn der CLOUD Act in erster Linie bei schwerwiegenden strafrechtlichen Ermittlungen eingesetzt wird, hat er weitreichende Auswirkungen für Unternehmen, die mit personenbezogenen Daten arbeiten. Die wichtigste Erkenntnis ist:
Der Speicherort Ihrer Daten ist nicht gleichbedeutend mit der Kontrolle über Ihre Daten
Viele Organisationen gehen davon aus, dass Daten automatisch geschützt sind, wenn sie in Europa gespeichert werden. In der Praxis spielt jedoch die rechtliche Zuständigkeit des Anbieters eine entscheidende Rolle.
Wenn Sie einen US-basierten Cloud- oder SaaS-Anbieter nutzen, kann dieses Unternehmen verpflichtet werden, Daten gemäß US-Recht bereitzustellen. Dies kann im Widerspruch zur Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) stehen, die strenge Anforderungen an Zugriff und Verarbeitung personenbezogener Daten stellt.
Was hat sich verändert? Warum der CLOUD Act wieder im Fokus steht
Das Gesetz selbst hat sich nicht wesentlich verändert, wohl aber der rechtliche und wirtschaftliche Kontext.
Schrems II hat das Spiel verändert
Im Jahr 2020 erklärte der Europäische Gerichtshof im Rahmen des Schrems II-Urteils das Privacy Shield-Abkommen für ungültig—unter anderem aufgrund von Bedenken hinsichtlich des Zugriffs durch US-Behörden auf europäische Daten.
Die zentrale Aussage dieses Urteils lautet:
Es reicht nicht aus, dass Daten in Europa gespeichert werden. Sie müssen auch vor Zugriffen geschützt sein, die nicht mit der DSGVO vereinbar sind.
Zunehmende Anforderungen und informierte Käufer
Seit Schrems II hat sich die Situation deutlich verändert:
- Unternehmen müssen stärker begründen, wie sie internationale Datentransfers handhaben
- Rechts- und Compliance-Abteilungen sind enger in Technologieentscheidungen eingebunden
- Käufer stellen gezieltere Fragen zu Datenzugriff und Jurisdiktion
Gleichzeitig hat sich Datensouveränität zu einem wichtigen Faktor in Ausschreibungen und Auswahlprozessen entwickelt.

US vs. EU Datenhosting: Wo liegt der tatsächliche Unterschied?
Auf den ersten Blick bieten US-amerikanische und europäische Anbieter ähnliche Leistungen. Beide verfügen über skalierbare Cloud-Infrastrukturen und moderne Technologien. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch im rechtlichen Rahmen und den Zugriffsmöglichkeiten auf Daten.
US-basierte Anbieter
US-Anbieter (einschließlich Hyperscaler und vieler SaaS-Plattformen) bieten leistungsstarke und global verfügbare Infrastruktur. Gleichzeitig unterliegen sie US-Recht, einschließlich des CLOUD Act. Das bedeutet:
- Daten können im Rahmen rechtlicher Verfahren von US-Behörden angefordert werden
- Die rechtliche Zuständigkeit gilt unabhängig vom physischen Speicherort der Daten
- Zusätzliche Maßnahmen sind erforderlich, um DSGVO-Anforderungen zu erfüllen
Für viele Unternehmen ist dies handhabbar, erfordert jedoch ein bewusstes Risikomanagement.
EU-basierte Anbieter
Europäische Anbieter unterliegen vollständig dem europäischen Recht und sind direkt an die DSGVO gebunden. In der Praxis bedeutet das:
- Daten werden ausschließlich durch europäische Gesetzgebung geregelt
- Geringeres Risiko von Zugriffen durch ausländische Behörden
- Einfachere und besser vorhersehbare Compliance-Prozesse
Für Organisationen, die Wert auf Transparenz und Kontrolle legen, kann dies ein entscheidender Vorteil sein.
Die zentrale Erkenntnis
Es geht nicht darum, dass ein Ansatz grundsätzlich besser ist als der andere. Die Wahl eines Softwareanbieters ist gleichzeitig die Wahl des rechtlichen Rahmens, unter dem Ihre Daten verwaltet werden. Und genau deshalb ist dies eine strategische Entscheidung.

Vergleich: US vs EU Datenhosting
Warum das für Marketing und Kundendaten relevant ist
Marketingplattformen verarbeiten hochsensible und geschäftskritische Daten, darunter:
- Kundenprofile
- Verhaltensdaten
- Kommunikationshistorien
- Einwilligungen und Präferenzen
Das macht Fragen zu Datenzugriff und Jurisdiktion entscheidend—nicht nur für Compliance, sondern auch für Vertrauen und Geschäftserfolg.
Diese Themen spielen zunehmend eine Rolle in:
- Ausschreibungen (RFPs)
- Sicherheits- und Compliance-Prüfungen
- Enterprise-Vertriebsprozessen
Wenn Sie Ihre Datenstrategie nicht klar erklären können, kann das Geschäftsabschlüsse verzögern oder verhindern.

Spotlers Ansatz zu Datenschutz und Datenkontrolle
Bei Spotler betrachten wir Datenschutz als grundlegenden Bestandteil moderner Marketingtechnologie. Als europäisches Unternehmen handeln wir im Einklang mit der DSGVO und legen großen Wert auf Transparenz, Kontrolle und verantwortungsvollen Umgang mit Daten.
Das bedeutet, wir treffen bewusste Entscheidungen darüber:
- Wo Daten gespeichert werden
- Wer Zugriff darauf hat
- Unter welchen Bedingungen sie verarbeitet werden
So stellen wir sicher, dass unsere Kunden nicht nur compliant sind, sondern ihre Datenstrategie auch überzeugend gegenüber Stakeholdern darstellen können. Nicht umsonst gehen wir in unserem Trust Center offen und transparent damit um.
Der Wandel: von Datenspeicherung zu Datenkontrolle
Die Diskussion rund um den CLOUD Act zeigt eine grundlegende Veränderung. Es reicht nicht mehr aus zu fragen:
- Wo werden meine Daten gespeichert?
Sie müssen auch verstehen:
- Wer kann darauf zugreifen?
- Unter welchem rechtlichen Rahmen?
- Wie kann ich Kontrolle nachweisen?
Fazit
Der US CLOUD Act bedeutet nicht, dass Ihre Daten frei zugänglich sind. Aber er zeigt deutlich:
Die rechtliche Zuständigkeit ist genauso wichtig wie der physische Speicherort von Daten
Für Unternehmen in Europa macht das die Auswahl von Technologiepartnern strategischer denn je. Denn in der Praxis bedeutet die Wahl einer Softwarelösung auch die Entscheidung darüber, wie Ihre Daten geschützt und verwaltet werden.
Häufig gestellte Fragen zum US CLOUD Act
Was ist der US CLOUD Act in einfachen Worten?
Der US CLOUD Act ist ein amerikanisches Gesetz aus dem Jahr 2018, das US-Behörden erlaubt, Daten von US-Technologieunternehmen anzufordern. Selbst wenn diese Daten außerhalb der Vereinigten Staaten gespeichert sind.
In der Praxis bedeutet dies, dass Unternehmen unter US-Jurisdiktion gesetzlich verpflichtet werden können, Zugriff auf Daten zu gewähren, unabhängig davon, ob die Daten physisch in Europa gespeichert sind.
Hebt der CLOUD Act die DSGVO auf?
Nicht direkt. Der CLOUD Act und die DSGVO sind zwei unterschiedliche rechtliche Rahmenwerke, die teilweise miteinander kollidieren können.
Die DSGVO stellt strenge Anforderungen an den Zugriff auf und die Verarbeitung personenbezogener Daten, während der CLOUD Act US-Behörden erlaubt, Daten von US-Unternehmen anzufordern. Dadurch entstehen rechtliche und Compliance-bezogene Herausforderungen für Unternehmen, die US-Cloudanbieter nutzen.
Deshalb betrachten viele Organisationen heute nicht nur den Speicherort der Daten, sondern auch die rechtliche Zuständigkeit des Anbieters.
Können US-Behörden auf Daten zugreifen, die in Europa gespeichert sind?
Möglicherweise ja.
Wenn das Unternehmen, das die Daten verarbeitet oder kontrolliert, unter US-Jurisdiktion fällt, können US-Behörden im Rahmen des CLOUD Act rechtmäßig Zugriff auf diese Daten verlangen—selbst wenn die Daten in einem europäischen Rechenzentrum gespeichert sind.
Dies ist einer der Hauptgründe, warum Datensouveränität und Jurisdiktion in Europa zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Bedeutet die Nutzung eines US-Cloudanbieters automatisch einen Verstoß gegen die DSGVO?
Nein. Die Nutzung eines US-Anbieters bedeutet nicht automatisch, dass ein Unternehmen nicht DSGVO-konform ist.
Organisationen müssen jedoch sorgfältig prüfen, welche rechtlichen und technischen Schutzmaßnahmen für internationale Datenübertragungen und Zugriffe vorhanden sind. Seit dem Schrems II-Urteil wird von Unternehmen erwartet, diese Risiken aktiver zu bewerten.
Dazu gehören häufig:
- Risikobewertungen
- Zusätzliche vertragliche Schutzmaßnahmen
- Technische Maßnahmen wie Verschlüsselung und Zugriffskontrollen
Was ist der Unterschied zwischen Datenstandort und Datensouveränität?
Der Datenstandort beschreibt den physischen Ort, an dem Daten gespeichert werden, beispielsweise ein Rechenzentrum in Deutschland oder den Niederlanden.
Datensouveränität beschreibt hingegen den rechtlichen Rahmen, der für diese Daten gilt.
Dieser Unterschied ist wichtig, weil Daten trotz Speicherung in Europa weiterhin ausländischen Gesetzen unterliegen können, wenn der Anbieter außerhalb der EU ansässig ist.
Warum ist Schrems II im Zusammenhang mit dem CLOUD Act wichtig?
Das Schrems II-Urteil des Europäischen Gerichtshofs erklärte das Privacy Shield-Abkommen zwischen der EU und den USA für ungültig.
Ein zentraler Grund dafür war die Möglichkeit des Zugriffs durch US-Behörden auf europäische Daten im Rahmen von Gesetzen wie dem CLOUD Act.
Dadurch müssen Organisationen heute bewerten, ob internationale Datenübertragungen ausreichenden Schutz gemäß DSGVO bieten.
Sind europäische Cloudanbieter aus Datenschutzsicht sicherer?
Europäische Anbieter sind in der Regel stärker an europäische Datenschutzgesetze wie die DSGVO gebunden, da sie vollständig unter europäischer Jurisdiktion operieren.
Dies führt häufig zu:
- Geringerer Gefahr ausländischer Behördenzugriffe
- Einfacheren Compliance-Prozessen
- Mehr Klarheit hinsichtlich rechtlicher Verantwortlichkeiten
Dennoch sollten Organisationen jeden Anbieter individuell anhand seiner Sicherheitsmaßnahmen, Infrastruktur und Compliance-Richtlinien bewerten.
Warum stellen Unternehmen zunehmend Fragen zum CLOUD Act?
Datenschutz ist in den vergangenen Jahren zu einem strategischen Thema geworden.
Einkaufsteams, Compliance-Abteilungen und Kunden stellen zunehmend Fragen wie:
- Wer hat Zugriff auf unsere Daten?
- Unter welchem rechtlichen Rahmen geschieht dies?
- Wie werden Kundendaten geschützt?
Dies betrifft insbesondere Branchen, die mit sensiblen Kundendaten arbeiten, etwa Marketing, SaaS, Kundenservice und E-Commerce.
Welche Fragen sollten Organisationen Cloud- oder SaaS-Anbietern stellen?
Bei der Auswahl von Anbietern sollten Unternehmen Fragen stellen wie:
- Unter welcher Jurisdiktion operiert Ihr Unternehmen?
- Wo werden Kundendaten gespeichert?
- Wer hat intern Zugriff auf die Daten?
- Welche Maßnahmen schützen vor unbefugtem Zugriff?
- Wie unterstützen Sie DSGVO-Compliance?
- Wie reagieren Sie auf behördliche Datenanfragen?
Klare Antworten helfen Unternehmen dabei, Datenschutz- und Compliance-Risiken besser einzuschätzen.
Gilt der CLOUD Act nur für große Technologieunternehmen?
Nein.
Der CLOUD Act kann für jedes Unternehmen gelten, das unter US-Jurisdiktion fällt und gesetzlich verpflichtet werden kann, Datenzugriff zu gewähren—unabhängig von der Unternehmensgröße.
Die Diskussion konzentriert sich jedoch häufig auf große Cloud- und SaaS-Anbieter, da diese enorme Mengen an Kunden- und Unternehmensdaten verarbeiten.
Was ist die wichtigste Erkenntnis für europäische Organisationen?
Die wichtigste Erkenntnis lautet:
Datenschutz betrifft nicht mehr nur den Ort, an dem Daten gespeichert werden—sondern auch, wer die Kontrolle über diese Daten hat und unter welchem rechtlichen Rahmen dies geschieht.
Für europäische Organisationen machen diese Entwicklungen Datengovernance, Anbieterwahl und Transparenz zu immer wichtigeren strategischen Themen.
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